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Adolf Scherbaum zum 100. Geburtstag

Adolf Scherbaum wäre am 23. August 2009 100 Jahre alt geworden. Der 1909 in Eger geborene Trompeter von Weltruf war den Menschen unserer Region besonders verbunden. Heilsbronn war zu seinem Wohnort geworden, in Sulzbach-Rosenberg hat er in den letzten Jahren seines aktiven Musikerlebens, von 1977 bis 1986, als Trompetenlehrer an der städtischen Sing- und Musikschule Sulzbach-Rosenberg gelehrt. 1979 wurde ihm dafür der Kulturpreis der Stadt Sulzbach-Rosenberg verliehen. Adolf Scherbaum ist am 02.08.2000 gestorben und in Heilsbronn bei Ansbach begraben.

Lebensweg und Bedeutung eines Ausnahmetrompeters

Adolf Scherbaum wurde am 23.08.1909 in Eger geboren. Wie in böhmischen Familien üblich, bietet sein Vater, der Malermeister und engagierte Musikamateur Johann Scherbaum, seinen beiden ältesten Söhnen zwei Musikinstrumente zur Auswahl an. Der kleine Adolf greift instinktiv zur Trompete. Dies sollte sich später für die Musikwelt als Glücksfall erweisen.

Eger war noch eingebettet in den Rahmen der kaiserlich und königlichen österreich-ungarischen Donaumonarchie, während anderorts der 1. Weltkrieg tobte. Adolf Scherbaum erhielt zu dieser Zeit in Eger seinen ersten Unterricht beim Solo-Trompeter des Stadttheaters, Georg Rott, den er zeitlebens verehrte. Das Erlernen des Instruments fiel dem jungen Adolf leicht und schon bald zeigte sich bei Aufführungen des Schulorchesters oder des Egerer Amateur-Sinfonieorchesters seine außerordentliche Begabung.

Nach Ende des 1. Weltkriegs kam Adolf Scherbaum zum Studium nach Prag, in die Hauptstadt des neu gegründeten Staates. Seinen Lebensunterhalt verdiente er durch Spielen in der Live-Musikkulisse des Stummfilms im Kino. Seine Studien ergänzte er währenddessen noch in Wien bei Professor Dengler.

Nach Ableistung seiner Militärzeit bei der Musikabteilung in Beraun bekam er mit 20 Jahren ein Engagement als Solotrompeter am Landestheater in Brünn. Zehn Jahre später, 1939, erhielt er die ehrenvolle Berufung in die deutsche Philharmonie in Prag, die sich unter dem unvergessenen Joseph Keilberth aus dem Orchester des Deutschen Theaters in Prag gebildet hatte.

1940 erfolgte gegen den Willen von Keilberth, der Scherbaum auf keinen Fall als Solotrompeter verlieren wollte, durch Verfügung von allerhöchster Instanz, der Ruf in das erste deutsche Orchester, die Berliner Philharmonie unter Wilhelm Furtwängler. Scherbaum erlebte nach Kriegsende noch den Start des Rumänen Sergiu Celibidache, der zunächst Furtwänglers Stelle als Leiter der von der sowjetischen Besatzungsmacht wieder geduldeten Philharmonie einnahm.

Im Juli 1945 machte sich Scherbaum mit dem Fahrrad auf nach Prag, um seine durch die Kriegswirren versprengte Familie zu suchen. In Prag traf ihn als Deutschen schnell das Schicksal der Internierung. Die rasche Befreiung aus der Internierung verdankte er der Fürsprache eines bis zuletzt anonym gebliebenen tschechischen Wohltäters.

Noch 1945 wurde er nach Pressburg, dem heutigen Bratislava, als Solotrompeter an den Funk berufen und bald auch zum Professor am dortigen Konservatorium ernannt.

1951 glückte die Aussiedelung aus der Tschechoslowakei, welcher erneutes Lagerdasein zuletzt in Neustadt an der Weinstraße folgte. Seine Trompetenkunst fand auch in dieser Umgebung Bewunderung. Er traf auf Freunde, Gönner und Helfer. Wie besessen übte er im Weinberg eines befreundeten Winzers, entwickelte dabei eine neuartige druckschwache Anblastechnik speziell für das Spielen der hohen Lagen und legte damit den Grundstein für seine kommende wahre Karriere.

1952 wurde Scherbaum Solotrompeter beim Hamburger Rundfunkorchester unter Hans Schmidt-Isserstedt. Hier in Hamburg begann die Phase seiner Karriere, welche ihn so einzigartig werden ließ. Seine scheinbar grenzenlose Kraft und Höhe beim Spiel machten Furore. Schmidt-Isserstedt gab Scherbaum den Beinamen „Scherstrong“.

Längst spielte Scherbaum die glanzvollen Trompetenpartien in Bachs h-moll-Messe, im Weihnachtsoratorium oder in der D-Dur-Suite mit dem seit Haydn üblichen Instrument, aber der Gipfel barocker Trompetenvirtuosität, das 2. Brandenburgische Konzert, war in der Originalbesetzung nicht interpretierbar. Das für Clarino geschriebene Werk galt unter Trompetern aufgrund seiner hohen Lage als nicht spielbar. Die Kunst, diese hohe Lage zu blasen, war nach der Barockzeit verloren gegangen.

Bereits in seiner Prager Zeit hatte ihn sein großer Bewunderer Joseph Keilberth, der Scherbaums phänomenale Begabung und sein Potential erkannt hatte, auf das 2. Brandenburgische Konzert aufmerksam gemacht und gesagt: „Du hast das Zeug dazu.“

Ein Hamburger Trompetenbauer hatte nun eine Neukonstruktion, die erste Hoch-b-Trompete, entwickelt und sie Scherbaum zur Beurteilung gebracht. Mit seiner neuen Blastechnik und diesem neuen Instrument gelang es Scherbaum, jene barocke Trompetenvirtuosität wieder zu gewinnen. Die fast letzte Lücke bei der Renaissance der Barockmusik und der Rekonstruktion historischer Instrumente war geschlossen.

Jahrelang war Adolf Scherbaum der einzige Trompeter der Welt, der das 2. Brandenburgische Konzert zu spielen vermochte. Und er tat dies in einer auch aus heutiger Sicht noch unvergleichlich hinreißenden Art und Weise. Scherbaum setzte dabei Meilensteine in der Musikgeschichte. Seine Interpretation des 2. Brandenburgischen Konzerts mit Yehudi Menhuin, David Oistrach und Aurèle Nicolet während der Ansbacher Bachwochen wurde als ein besonderer Glücksfall im Rückblick auf die Wiedergeburt der Barockmusik gesehen. 14 verschiedene Schallplattenfirmen haben das Werk mit ihm eingespielt und es begleiteten ihn die bekanntesten Orchester der Welt.

1961 gründete Adolf Scherbaum sein Barockensemble, mit dem er in allen Erdteilen außer Australien triumphale Erfolge feierte. Der strahlende Glanz seiner Trompete riss in den größten Konzertsälen der Welt, in Rom, Buenos Aires, Kairo, New York, Kapstadt, Paris, London und Moskau die Besuchermassen zu frenetischem Beifall hin. In den Foyers der Hotels, wo Adolf Scherbaum weilte, kam es zu tumultartigen Szenen, wie wir sie ansonsten nur von Rockstars kennen. Scherbaum war ein Monopolist und Star, der in der Klassikszene seines gleichen suchte.

Die Bestsellerliste im Spiegel führte Scherbaum vier Jahre lang an erster Stelle mit dem Album „Virtuose Trompetenkonzerte“ der Deutschen Grammophongesellschaft an. Mit diesen und auch zahlreichen anderen Schallplatten hat Scherbaum viele Werke, die er auf der Suche nach geeigneter Literatur in Klosterbibliotheken und Archiven aufgespürt hatte, der Nachwelt wieder zugänglich gemacht.

Der Spiegel berichtete ausführlich über das musikalische Phänomen Adolf Scherbaum. Im Time Magazin wurde über das Naturphänomen Adolf Scherbaum berichtet. Untersuchungen mit Messsonden in Lunge und Mundhöhle an der Universität Basel hatten Druckwerte von 2,2 bar ergeben, wenn Scherbaum scheinbar mühelos das viergestrichene C spielte. Mit diesem Druck könnte man einen Autoreifen aufblasen.

1964 berief ihn die Staatliche Hochschule für Musik in Saarbrücken zum Professor.

Es folgten Preise, Auszeichnungen und Ehrungen.

1965 wurde ihm der Edison-Preis, die höchste holländische Auszeichnung für Platteneinspielungen, zuerkannt. 1979 wurde ihm anlässlich seines 70. Geburtstages, die Albert-Schweitzer-Friedensmedaille für Versöhnung und Gewaltfreiheit verliehen. Er stand hier in einer Reihe mit Pablo Casals und Pablo Picasso.

Scherbaums hohe künstlerische, aber auch menschliche Qualität zeigte sich z.B. in der herzlichen Freundschaft mit Jean Cocteau, dem französischen Universalkünstler, der ihm 1962 eine Graphik widmete, durch seine Treffen mit Pablo Casals, dem legendären spanischen Emigranten und Inbegriff des Cellisten, oder in einer enthusiastischen Widmung von Herbert von Karajan.

Adolf Scherbaum war die Inkarnation des böhmischen Vollblut-Musikers, von musikalischer und menschlicher Größe. In ihm verband sich Heimatverbundenheit mit Weltoffenheit. Scherbaums Freunde waren Deutsche, Tschechen, Franzosen, Rumänen, Russen, Juden.

1968 erhielt Scherbaum den Nordgaupreis der Stadt Amberg. Er, der mit den berühmtesten Orchestern der Welt musiziert hatte, konzertierte beim Festakt in Sulzbach-Rosenberg mit dem Sulzbach-Rosenberger Kammerorchester. Aus dieser, von den Mitgliedern dieses Laienorchesters als leidenschaftlich und denkwürdig empfundenen Begegnung entwickelte sich eine Freundschaft zu seinem Leiter Oswald Heimbucher.

Jahre später änderten sich die Lebensumstände von Adolf Scherbaum. Der in seiner Hamburger Zeit verwitwete Künstler hatte im Rahmen der Ansbacher Bachwochen seine zweite Frau Elfriede, eine Ansbacher Ärztin mit böhmischen Wurzeln, kennengelernt. Er zog mit ihr zusammen nach Heilsbronn bei Ansbach. Die räumliche Nähe zur Oberpfalz und zu seinem sprachlichen Heimatraum war gegeben und es ergab sich eine sensationelle Entwicklung für die Provinz. Scherbaum gab seine Professur in Saarbrücken auf und wechselte 1977 als Trompetenlehrer zu seinem Freund Heimbucher an die städtische Sing- und Musikschule Sulzbach-Rosenberg.

Seinen eigenen Äußerungen zur Folge, war dieses Amt, welches er bis in das Jahr 1986 mit großer Freude ausübte, vielleicht sein liebst gewonnenes. Lernbegierige Schüler, einige aufrichtige und sehr persönliche Freundschaften, eine Mentalität der Bevölkerung sowie auch eine Atmosphäre, welche ihn so sehr an seine verlorene Heimat erinnerten, ließen den etwa zehnjährigen Aufenthalt in Sulzbach-Rosenberg zu einem unvergessenen und wertvollen Abschnitt seines Lebens werden.

1979 wurde ihm für dieses Wirken der Kulturpreis der Stadt Sulzbach-Rosenberg verliehen.

Die Möglichkeit, einen Lehrer dieser Extraklasse erleben zu dürfen, gab vielen seiner enthusiastischen Schüler Auftrieb und Ausrichtung sowohl für die Musik als auch für das Leben im Allgemeinen. Er war ein Vorbild an Disziplin, Geradlinigkeit, Stärke und Menschlichkeit. Einigen seiner Schüler gab er die Gelegenheit, mit ihm zusammen auf großer Bühne zu spielen. Die Erinnerungen daran halten den großen charismatischen Meister lebendig.

Für seine ehemaligen Schüler und viele, die ihn erlebt haben, ist er der bedeutendste Trompeter aller Zeiten. Adolf Scherbaum kam in gewisser Weise schon als Trompeter auf die Welt. Durch die Kombination seiner Begabung aus Talent, Fleiß, Disziplin, Willenskraft, Musikalität, Umstände und nicht zuletzt seine charakterliche Persönlichkeit ist ihm seine Pionierstat, sein größter, ihm seine Bedeutung gebender Verdienst gelungen: Die Wiederentdeckung der barocken Trompetenvirtuosität und allem voran die seit Bachs Zeiten erste Wiederaufführung des 2. Brandenburgischen Konzerts in Originalbesetzung.

Für Maurice André war er der Vorreiter einer ganzen Generation. André, nach seiner Rolle als Trompeter gefragt, sagte: „Nach mir kommen viele, vor mir gab es nur einen – Adolf Scherbaum!“

Ereignisse und Konzerte zum 100. Geburtstag

Bayern 4 Klassik
: Am Samstag, den 22.08.2009 um 22:30 Uhr wird im Rahmen von „Forum Alte Musik“eine Sendung Adolf Scherbaum gewidmet.

Jubiläumskonzerte finden statt am Sonntag, den
- 4.Oktober 2009 um 17:00 h im Münster Heilsbronn bzw. am
- 11.Oktober 2009 um 17:30 h in der Herz-Jesu-Kirche in Sulzbach-Rosenberg

Die drei ehemaligen Scherbaum-Schüler Richard Feyrer, Helmut Mörtl und Josef Kneißl spielen Doppelkonzerte für Trompete von Vivaldi, Torelli, Alberti und Vejvanovsky.

Christoph Hammer begleitet an der Orgel und gibt solistisch Orgelwerke von Muffat und Bach. Hammer hat bereits im Alter von 15 Jahren in Adolf Scherbaums Barockensemble das Cembalo gespielt bzw. ihn bei Kirchenkonzerten auf der Orgel begleitet. Die in damaligen Presseberichten vorhergesagte große Zukunft ist eingetreten. Neben seiner Bedeutung als Orchesterleiter und Dirigent hat sich Hammer einen internationalen Ruf als Solist und Begleiter erworben. Seit Sommer 2009 ist Hammer Professor für historische Tasteninstrumente an der University of North Texas, USA.

Irmingard Seemann spielt eine Suite von J.S. Bach für Violon-Cello Solo. Frau Seemann ist eine langjährige Wegbegleiterin Scherbaums. Sie war die Cellistin in seinem Ensemble und hatte die organisatorische Funktion inne.

Der Reiz dieser Konzerte liegt in den Augen der Ausführenden darin, dass ausschließlich Musiker auftreten werden, welche mit Adolf Scherbaum noch persönlich gespielt haben.