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Konzert in der Carnegie Hall

Artikel in "Time" 1962

Der "Barockengel"

Auf dem Höhepunkt seiner Karriere

New Grove Dictionary of Music and Musicians

Echo zum 75. Geburtstag

Scherbaum u. d. Glanz des Barocks

Rundfunksendung

Urteil von Maurice André

Erinnerungen von Ludwig Güttler

Brief von Edward H. Tarr

Brief von Philip Jones

Brief von Timofej Dokschitzer

Gheorghe Musat, Rumänien

Brief von Graham Ashton

Friedel Keim

International Trumpet Guild

Erinnerungen der Berliner Philharmoniker

Nachruf von Matthias Scherbaum

Scherbaum-Schüler Josef Bayer

Scherbaum-Schüler Josef Kneißl

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ZAUBERGRENZE

Während des Krieges machte das Orchester eine lange Reise durch Frankreich, Spanien, Portugal und wieder zurück. Portugal, vom Kriege unberührt, war besonders ein Eldorado für den Einkauf von Dingen, die es in Deutschland schon lange nicht mehr gab, von Gummiband bis zu ungebranntem Kaffee.

Natürlich sparten sich alle Kollegen und besonders die, welche Kinder zuhause hatten, ihre Tagegelder auf und füllten ihre Koffer mit den köstlichsten Dingen. Die Kofferzahl schwoll rapide an.

Die Rückreise nahte und an der Grenze mussten nun etwa 500 Koffer aus dem portugiesischen in einen spanischen Güterwagen umgeladen werden. Manch einer sah schon voller Sorgen seine Einkäufe durch den Zoll beschlagnahmt. Jetzt ging es darum, die Herzen der Zollbeamten milde zu stimmen.

Der Konzertmeister T. also packte seine Geige aus und begann, die Zöllner dieser weltabgeschiedenen Grenzstation mit den „Zigeunerweisen" von Sarasate zu besänftigen und sie zu beglücken.

Nach dieser gelungenen Ouvertüre trat der Trompeter Adolf Scherbaum in Funktion und fing an zu zaubern. Mittlerweile hatten sich auch fast alle Dorfbewohner eingefunden und drückten, da sie den Raum nicht betreten durften, ihre Nasen an die Fensterscheiben. Scherbaum zauberte. Er zauberte den Zöllnern Papierkugeln unter die Uniformmütze, er zog ihnen Münzen aus Nase und Ohren und Rockkragen, er ließ Taschenuhren verschwinden und bei anderen wieder auftauchen und vollführte noch manchen magischen Trick. Blanke Angst stand in den Augen derer, die gerade in das Zaubergeschehen einbezogen waren, da sie nicht wussten, welche Fähigkeiten Scherbaum noch besaß und vielleicht auch anwenden würde. Die gerade nicht Betroffenen wollten sich ausschütten vor Lachen.

Draußen unterdessen lud eine Gruppe Philharmoniker schweißgebadet 500 Koffer von einer Lore in die andere. Und drinnen zauberte Adolf Scherbaum zu perlenden Geigenpassagen und schlug alle Beamten so in seinen Bann, dass vor Verzauberung keiner mehr an eine Zollkontrolle dachte. Endlich war die Umladung des Gepäcks beendet. Scherbaum konnte mit seinen Tricks aufhören und manch Zöllner atmete befreit auf, befreit von der unheimlichen Wirkung der Magie und auch weil ihm nicht mehr passiert war, als heil davongekommen zu sein.Vermutlich spricht man in diesem abgelegenen Dorfe noch heute von dem großen Magier, der hier einst die Zollbeamten verzauberte, ja fast verhexte, und der dann für immer verschwand.

Entnommen dem leider nur noch antiquarisch erhältlichen kleinen Büchlein: