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Adolf Scherbaum wurde 1909 in Eger geboren, studierte in Prag und Wien bei Prof. Dengler. Seiner ersten Tätigkeit als Solotrompeter am Landestheater in Brünn folgten Engagements unter Joseph Keilberth an der Deutschen Philharmonie in Prag und an der Berliner Philharmonie unter Wilhelm Furtwängler.
Nach den Kriegswirren erhielt Scherbaum eine Professur an der Musikhochschule in Preßburg, ehe er legal die Ausreise in die Bundesrepublik erreichte und zum Norddeutschen Rundfunk nach Hamburg kam.

Anfangs spielte er Virtuosenstücke auf der normalen B-Trompete, ab 1955 auch Barockmusik auf der Hoch-B-Trompete, die er als erster für die Wiedergabe von D-Trompeten-Partien benutzte.
Viele Konzertreisen in fast alle Erdteile und zahlreiche Schallplattenaufnahmen begründeten seinen internationalen Ruf als universellster Trompetenkünstler.
Ihn begleiteten die bekanntesten Orchester der Welt, u.a. das Philharmonic Orchestra London, das Amsterdamer Concertgebouw Orkest, das Orchester Santa Cecilia Rom, das Leipziger Gewandhausorchester.... Er spielte unter der Leitung weltberühmter Dirigenten wie Furtwängler, Karajan, Klemperer, Knappertsbusch, Keilberth, Schmidt-Isserstedt u.a.

Sein Paradestück war das 2. Brandenburgische Konzert [4.816 KB] von J.S. Bach. - Das Michael-Haydn-Konzert [715 KB] wagte lange Zeit außer ihm niemand live aufzuführen.
Daneben wurde er auch bekannt als Entdecker verschollener Trompetenliteratur. Vor allem die alten böhmischen Meister (an erster Stelle Pavel Josef Vejvanovsky [3.724 KB] ) machte er wieder bekannt.

Adolf Scherbaum (1909 - 2000)

Er war der Erste, der eine Hoch-B-Trompete für D-Trompeten-Stücke verwendete.
Durch rigoroses Training entwickelte er außergewöhnlich große Zwerchfell- und Wangenmuskelkraft (2,2 bar wurden in der Universität Basel gemessen!), so dass er ohne große Mühe das 4-gestrichene C spielen konnte (ich hörte von ihm sogar einmal das 4-gestrichene A!). Schmidt-Isserstedt nannte ihn deshalb auch "Scherstrong". Bei all dem setzte Scherbaum auf die Low-Press-Methode (Blasen ohne Druck) und vermittelte sie auch seinen Schülern.
Mit seinem Sohn entwickelte er die Scherbaum-Hoch-B-Trompete mit austauschbarem Schalltrichter und dreiteilige Mundstücke, die seinen Schülern erlaubten, beim Üben mit tieferem Kessel zu blasen und dann bei Verwendung eines flacheren Kessels mit Leichtigkeit eine größere Höhe zu erreichen.

Mit Jean Cocteau, Pablo Casals, Yehudi Menuhin und den Oistrachs verband ihn gegenseitige Bewunderung und Freundschaft.

1962, ein Jahr vor seinem Tod, widmete Jean Cocteau Adolf Scherbaum diese Grafik.


Ansbacher Bachwochen 1955: Von links: Karl Richter, Aurèle Nicolet, Yehudi Menuhin, Adolf Scherbaum


Im Jahre 1963 gründete er sein eigenes Barock-Ensemble, mit dem er lange Jahre ausgedehnte Konzertreisen unternahm (u.a. nach Belgien, Frankreich, Italien, Österreich, Schweden, in die Tschechoslowakei, in die Schweiz und zweimal in die Sowjetunion).

Für die Schallplatte "Virtuose Trompetenkonzerte" erhielt er 1965 den "Edison-Preis", nachdem ihm bereits fünfmal der "Grand Prix" verliehen worden war. Seine Schallplatten standen drei Jahre ununterbrochen auf der Bestsellerliste.

Nach seinem Engagement am Norddeutschen Rundfunk wirkte er ab 1964 als Professor an der Staatlichen Hochschule für Musik in Saarbrücken. Viele seiner Schüler wirken heute als Solotrompeter in namhaften Orchestern.
1968 erhielt er den Nordgau-Kulturpreis der Stadt Amberg. Von diesem Zeitpunkt an entwickelte sich eine persönliche Freundschaft zu Oswald Heimbucher, der ihn in der Folgezeit des öfteren für eine Zusammenarbeit mit dem Sulzbach-Rosenberger Kammerorchester gewinnen konnte.

Diese Freundschaft und sein neuer Wohnort Heilsbronn (wo seine Frau als Ärztin tätig war) bewogen Adolf Scherbaum, von 1977 bis 1986 an der Städtischen Sing- und Musikschule Sulzbach-Rosenberg zu unterrichten.
Viele Jugendliche erfuhren von ihm Impulse, Anregungen und Auftrieb. Das war auch der wichtigste Grund dafür, dass ihm am 14.10.1979 der Kulturpreis der Stadt Sulzbach Rosenberg verliehen wurde.

Bereits am 23.8.1979 (an seinem Geburtstag) war ihm die Albert-Schweitzer-Friedens-Medaille für Versöhnung und Gewaltfreiheit überreicht worden. Diese Auszeichnung war zuvor nur Pablo Casals, Pablo Picasso, Josef Hromodka, Martin Niemöller und Günter Slotta verliehen worden. Dem Kuratorium gehörten an: Günther Anders, Karl Bechert, Dom Hélder Câmara, Robert Jungk, Linus G. Pauling und Rhena Miller-Schweitzer.

Eines seiner letzten großen Konzerte (zugleich seine letzte Schallplattenaufnahme) fand an seinem 75. Geburtstag im Kloster St. Gerold in Österreich statt.Prof. Scherbaum starb am 2. August 2000, kurz vor seinem 91. Geburtstag, nach einem reichen, erfüllten Leben. Auch wenn er nicht mehr leibhaftig unter uns ist - seine Aufnahmen werden uns nach wie vor erfreuen und die Erinnerung an ihn lebendig halten ...

In Dankbarkeit - sein ehemaliger Schüler Josef Bayer