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für Adolf Scherbaum zum 90. Geburtstag
am 21. November 1999
im Rathaussaal Sulzbach-Rosenberg

"Am guten Alten in Treue halten,
am kräftigen Neuen sich stärken und freuen
wird niemand gereuen."

Diese Worte schrieb der Schriftsteller Emanuel Geibel vor etwa 120 Jahren in seinen Spätherbstblättern.

Und diese Gedanken möchte ich meinem Grußwort zum Festakt, anlässlich des 90.Geburtstages von Professor Adolf Scherbaum, voranstellen.

Sehr geehrte Damen und Herren, werte Gäste dieser festlichen Veranstaltung!

So war er, dieser heute schon häufig genannte Adolf Scherbaum, der sich oftmals dem guten Alten in unbeugsamer Treue verpflichtet fühlte, aber, wenn er es für richtig erkannt hatte, auch dem Neuen sich nicht verschloss, sondern zielstrebend das Tor aufstieß, um neue Wege einzuschlagen.

Dass er heute persönlich nicht dabei sein kann ist bedauernswert. Deshalb versuche ich, mehr seine menschliche Seite darzustellen, um das Bild des Trompetenweltstars abzurunden.

Vor 30 Jahren kannte ich ihn noch nicht, nur durch die städtische Sing- und Musikschule und meine enge Zusammenarbeit mit dem damaligen Leiter, Oswald Heimbucher, begann für mich eine Kontaktbasis, die Scherbaum und mir, trotz des Altersunterschiedes, leicht fiel und die zu einer rechten Freundschaft führte, nämlich: unsere gemeinsame Heimat, das Egerland, unsere gemeinsame Heimatstadt Eger und unsere gemeinsame Mundart, sowie gemeinsame Erinnerungen an die Jahre in der Weltstadt Prag, für ihn als Trompetenschüler und als späteren Virtuosen, für mich, wenn auch Jahre später und zeitkürzer, als Lehreraspiranten.

Als er 1977 hier in dieser Stadt als Trompetenlehrer bei der städtischen Sing- und Musikschule seinen Unterricht aufnahm, war es ein Glücksfall, dass es ein soeben neu errichtetes und erst neu bezogenes Schulhaus an der Dieselstraße 33 gab, in dem Scherbaum mit seinen doch nicht so leisen Instrumenten völlig ungestört und auch nicht den Trompetenunterricht durchführen konnte.

Und für eine Schule ist es schon eine Sternstunde, wenn zur Einweihung unseres neuen Sonderschulhauses am 18. Nov. 1977 Adolf Scherbaum mit dem hiesigen Kammerorchester, unter der Leitung von Oswald Heimbucher, musiziert.

Der damalige Landrat Dr. Raß konnte sich gar nicht beruhigen, weil er Scherbaum so hautnah in der neuen Aula erleben durfte. Mein Dank galt deshalb nicht nur Scherbaum, sondern auch dem Land rat, weil er meine Forderung nach einer Aula mit Bühne, es war 1977 die erste Aula einer Schule dieser Stadt, so vorbehaltlos unterstützt und durchgesetzt hatte.

Der Alltag sah dann so aus: Freitag von 14.00 bis 17.00 oder 18.00 Uhr und Samstag von 9.00 bis 12.00 oder 13.00 Uhr fand im Bühnenraum unserer Schule der Trompetenunterricht statt.

Viele Schüler kamen, verschiedenen Alters, von verschiedenen Schulen, keine Musikstudenten. Für Scherbaum ein neues Klientel. Er musste sich umstellen, da bei Etlichen vielerlei Voraussetzungen fehlten.

Da ich während seiner Unterrichtstätigkeit meistens in meinem Rektorat anwesend war, kam er in den kurzen Pausen immer wieder zu mir herüber und erzählte von Mühsal und Fortschritten mit seinen Schülern. Oft war ich direkter Zuhörer, wenn eine schwierige Passage gelungen war. Seine häufige Redewendung lautete: "Jetzt muss ich wieder hinüber zu meinen Boum". Es waren meistens mehrere gleichzeitig anwesend, die dann verschiedene Übungen durchführten, so u.a. auch das Marschieren durch die Hausgänge mit Mundstück an kurzem Rohr, zur Festigung des Lippenansatzes und der Atemtechnik.

Gerne erinnere ich mich an die Ära Scherbaum von 1977 - 1986, in unserem Schulhaus auch an seine Schüler, und ich nenne stellvertretend für viele Richard Feyrer, Josef Kneißl, Helmut Mörtl, Hans Haas, Udo Schötz, Bernd Heinz, Johannes Mühldorfer ... eben seine "Boum". Nur Sie, Herr Bayer, rechnete er nicht dazu, denn er respektierte es sehr, dass ein hauptamtlicher Gymnasiallehrer zu ihm als Schüler kam.

Einige von ihnen ließen die Kontakte zu ihm nie abbrechen, wenn sie auch in anderen Berufen nun ihren Mann stellen, so blieben sie der Musik, ihrem Instrument Trompete treu, und heute Abend können wir sie um 20.00 Uhr in der Stadtpfarrkirche St. Marien in einem Konzert hören, zu Ehren des Professors A. Scherbaum.

Doch einen der "Boum" muss ich doch noch namentlich nennen: Matthias Schäffer. Kaum 5 Jahre alt, lauschte er mit strahlenden Augen während des Trompetenunterrichts immer hinter der angelehnten Tür. So blieb es nicht aus, dass Adolf Scherbaum auf ihn aufmerksam wurde. Die Anfrage der Eltern, ob er auch einen "Noch-nicht-ABC-Schützen" das Trompetenspiel beibringen könne, war eine neue Herausforderung. Denn das hatte Scherbaum noch nicht und intuitiv stimmte er zu, weil der Bub zwei Voraussetzungen hatte, nämlich Begeisterung und genügend Körperkraft, um überhaupt eine Trompete längere Zeit am Mund zu halten. Und dieser Matthias Schäffer ist heute Konzerttrompeter, war schon in vielen Veranstaltungen zu hören, zuletzt im Fürstbischöflichen Musik-Collegium und im Fürstbischöflichen Bläserconsortium zu Würzburg bei den renommierten Hofmusiktagen 1999 in der Hofkirche der Residenz zu Würzburg. Und wenn wir Matthias Schäffer fragen, so wird er bestimmt antworten: "Heute spiele ich für meinen Professor."

Der alte pädagogische Grundsatz "Alles Lehren ist mehr ein Säen denn ein Ernten", galt auch für Adolf Scherbaum. Heute jedoch könnte er sich an einem sichtbaren Teil von Erntegut erfreuen, wenn er bei uns sein könnte. Bestimmt würde er mit Stolz und lachenden Augen zu seinen "Ehemaligen" blicken.

Der Schülerglückwunsch und natürlich auch unser aller Wunsch soll unseren Dank einschließen für seine Bereitschaft, für seinen Einsatz als ehemaliger Lehrer an dieser städtischen Musikschule in Sulzbach-Rosenberg.

In der Festschrift anlässlich der Kulturpreisverleihung vor genau 20 Jahren sind auch die Dankesworte des Preisträgers Scherbaum abgedruckt, die genau das ausdrücken, was er für diese Stadt empfunden hat. Darum zitiere ich den vorletzten Absatz:
"Ich bekenne mich zu dieser Stadt, zu Sulzbach-Rosenberg, in der ich mich gerne aufhalte, die mir Ersatz für meine verlorene Heimat ist. Hier fühle ich mich wohl, innerhalb dieser Mauern, unter diesen Menschen und den vielen Freunden, die ich hier schon gewonnen habe."

Ad multos annos, lieber Adolf!

Ich danke Ihnen!