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am 21.11.1999

Bericht in der Sulzbach-Rosenberger Zeitung am 23.11.1999:

Hommage an einen Weltstar
Prof. Adolf Scherbaum zum 90.
Festakt, Ausstellung und Konzert in der Herzogstadt


Sulzbach-Rosenberg. (Im) Lieben die Engel Barockmusik? Anscheinend ja! Denn strahlend blauen Himmel gab's schon zum Anbruch des "Scherbaum-Sonntags" in der alten Herzogstadt. Mit Festakt, Ausstellungseröffnung und Konzert ehrte Sulzbach-Rosenberg nicht irgendeinen Musiker von Weltruf zu seinem 90. Geburtstag. Im Mittelpunkt stand vielmehr der wohl berühmteste deutsche Trompeter des 20. Jahrhunderts: Prof. Adolf Scherbaum (geb. 23. August 1909).

Gut 50 illustre Ehrengäste hatten sich im Großen Saal des historischen Rathauses eingefunden. Schmerzlich nur, dass der Jubilar selbst nicht unter der festlichen Schar weilen konnte - schwere Krankheit hat es ihm versagt.

Als lieben prominenten Gast hieß 1. Bürgermeister Gerd Geismann zum Festakt für den Barocktrompeter Adolf Scherbaum im Sulzbacher Rathaussaal unter zahlreichen illustren Persönlichkeiten die Gattin des Künstlers, Dr. Elfriede Scherbaum, besonders willkommen.


Ein Barocktrio mit Matthias Schäffer (einst der jüngste Schüler Scherbaums) an der Piccolo-Trompete, unterstützt von Ruth Kern und Stephanie Rösch (Continuo-Cembalo und Cello), begrüßte mit einer schwungvollen Ouvertüre und führte musikalisch durch das Programm.

Ein Barocktrio mit Matthias Schäffer (Piccolo-Trompete), Stephanie Rösch (Cello) und Ruth Kern (Continuo-Cembalo) musizierte im Rathaussaal zu Ehren des Weltberühmten Trompeters und Kulturpreisträgers Prof. Adolf Scherbaum.


1. Bürgermeister Gerd Geismann hieß zahlreiche Honoratioren willkommen: den Laudator Dr. Wolfgang Graetschel (Direktor des Nürnberger Konservatoriums a. D.), die Jubilars-Gattin Frau Dr. Scherbaum, Vertreter des öffentlichen Lebens und vier weitere Scherbaum-Schüler, darunter OStR Joseph Bayer aus Amberg, den Spiritus rector des ganzen Unternehmens.

"Ein Mensch mit Herzwärme"

Geismann rief ins Bewusstsein, dass hier nicht nur ein Weltstar zu feiern sei, sondern "ein Mensch mit Herzwärme, der seiner Umgebung ein Klima der Freundschaft vermittelt hat".

Gleiches konnte Dr. Wolfgang Graetschel in seiner beeindruckenden Laudatio bezeugen - hatte doch auch er den Trompeter ebenso als "außerordentlichen Künstler" wie als "sehr lieben Mann" erfahren.

Der Laudator Dr. Wolfgang Graetschel ließ Scherbaums Künstlerleben mit Konzertauftritten rund um den Erdball Revue passieren.

"Heiter vergnügt und lustig" - das sei Scherbaum gewesen. Doch seine Dozentenrolle habe er stets sehr ernst genommen. Sein bewegtes Leben ließ der Laudator in markanten Stationen Revue passieren: von der Jugend im Egerland über die tschechische Militärmusik und mährische Orchesterjahre 1939 an die Deutsche Philharmonie zu Prag, 1940 gleich weiter in das beste deutsche Orchester überhaupt: die Berliner Philharmoniker unter Wilhelm Furtwängler.

Nach NS-Zeit, Krieg und "Berliner Apokalypse" noch einige kurze Jahre in Deutschland aktiv, zog es Scherbaum auf der Suche nach seiner Familie per Fahrrad in die böhmische Heimat zurück. Dort folgten erst Gefängnis, dann Musik-Professur (in Preßburg), ehe es wieder nach Westdeutschland ging - zunächst zum Norddeutschen Rundfunk nach Hamburg.

Jetzt experimentierte der findige Musiker mit einer neuartigen Anblastechnik, um auf der Trompete mit wenig Druck glänzende Höhen zu erreichen. "Es gab Zeiten, da waren 'Trompetenspiel' und 'Scherbaum' beinahe deckungsgleich", fuhr der Laudator fort.

Dem faszinierten Publikum zeigte Dr. Graetschel die chaotische, durch einen Autounfall stark "wassergeschädigte" Trompetenstimme des 2. Brandenburgischen Konzerts, das seinerzeit als praktisch unspielbar galt, von Scherbaum aber spielend gemeistert wurde und quasi seinen Weltruhm begründete.

Hunderte von Konzertdaten und Aufführungsorten hat der Musiker darin notiert - quer über den ganzen Erdball. Mehrmals hob der Referent hervor, dass Scherbaum niemals dominieren wollte, sondern stets dienend im musikalischen Ensemble stand. Graetschel schloss mit den Worten: "Adolf Scherbaum hat einen sehr guten Beitrag für die Entwicklung der Musikkultur in unserem Land geleistet und unzähligen Menschen Freude bereitet".

Mit gewohnt stilvollen, persönlich-warmen Worten richtete anschließend Rektor a. D. Karl Putz Grußworte an das Publikum. Er ging ganz auf die menschliche Seite des großen Künstlers ein — ausgestreckt zwischen Traditionsverbundenheit und Offensein für Fortschritt. Die gemeinsame Heimatstadt Eger, die gemeinsamen Jahre in der Weltstadt Prag und vieles mehr seien für ihn zur Brücke zu Adolf Scherbaum geworden.

"Weltweit gefeiert und heimatverbunden"

Dabei hob er nicht zuletzt auf die ruhmreiche Rolle Oswald Heimbuchers ab, der ja seinerzeit den Künstler an die Städtische Sing- und Musikschule geholt hatte.

Nun übernahm Elisabeth Vogl, M.A., die wissenschaftliche Leiterin des Stadtmuseums, die Federführung und entrückte das Publikum in ihren Räumen in das Leben und Musizieren Adolf Scherbaums — tatkräftig unterstützt von OStR Josef Bayer.

Vogl machte bei dieser Gelegenheit auf die enorme Bandbreite des Stadtmuseums aufmerksam, das derzeit nicht nur mit einer groß angelegten Bibelausstellung die Aufmerksamkeit der überregionalen Öffentlichkeit auf sich und Tausende von Gästen nach Sulzbach-Rosenberg ziehe, sondern auch mit der Scherbaum-Sonderschau und einer Kunstausstellung aus Bauer-Bildern in Neumarkt hervorragend präsent sei.


Spannend und vielseitig erläuterte Josef Bayer, ein früherer Scherbaum-Schüler, die Exponate von Scherbaums berühmter "silberner Trompete" bis hin zu internationalen Auszeichnungen des Künstlers, darunter der "Albert Schweitzer-Friedenspreis", den vor Scherbaum nur fünf Personen erhalten hatten, darunter so klingende Namen wie Martin Niemöller oder Pablo Piccasso.

Josef Bayer, einst selbst Scherbaum-Schüler, legt die berühmte 'silberne Trompete' in eine Ausstellungsvitrine des Stadtmuseums. (Bilder: Huber)