Sie sind hier:

Rundfunksendung

Jubiläumskonzerte

Scherbaum-Schüler Josef Kneißl

Zeitungsberichte

22.08.2009

22.08.2009

05.10.2009

14.10.2009

Sonderausstellung im Trompetenmuseum

Allgemein:

Startseite

Impressum/Kontakt

Haftungsausschluss

Sulzbach-Rosenberger Zeitung

Von Kindesbeinen an ein Trompetenvirtuose
Kulturpreisträger Adolf Scherbaum wäre am 23. August 100 Jahre alt geworden - Lehrer an der Musikschule

(räd) Lange Zeit galt das Zweite Brandenburgische Konzert von Johann Sebastian Bach in der Originalbesetzung als nicht interpretierbar. Einer, der der Herzogstadt eng verbunden war, schaffte es erstmals, die darin enthaltenen hohen Töne für Trompeter wieder zu spielen: Adolf Scherbaum. Der Kulturpreisträger der Stadt Sulzbach-Rosenberg wäre am 23. August 100 Jahre alt geworden.

Zwei Instrumente zur Wahl

Scherbaum wurde am 23. August 1909 in Eger geboren. Wie in böhmischen Familien üblich, bot der Vater den ältesten Söhnen zwei Musikinstrumente zur Auswahl an. Der kleine Adolf griff instinktiv zur Trompete. Nach dem ersten Weltkrieg ging Scherbaum zum Studium nach Prag. Nach Ableistung seiner Militärzeit bei der Musikabteilung in Beraun bekam er mit 20 Jahren ein Engagement als Solotrompeter am Landestheater in Brünn. Zehn Jahre später, 1939, erhielt Scherbaum die ehrenvolle Berufung in die deutsche Philharmonie in Prag. 1940 musste Scherbaum dem Ruf in das erste deutsche Orchester, die Berliner Philharmonie, unter Wilhelm Furtwängler folgen.

Im Juli 1945 machte sich Scherbaum mit dem Fahrrad auf nach Prag, um seine durch die Kriegswirren versprengte Familie zu suchen. In Prag traf ihn als Deutschen das Schicksal der Internierung. Er kam aber schnell frei. Noch 1945 wurde er nach Pressburg (Bratislava) als Solotrompeter an den Funk berufen und bald auch zum Professor am dortigen Konservatorium ernannt. 1951 glückte die Aussiedelung aus der Tschechoslowakei, welcher erneutes Lagerdasein zuletzt in Neustadt an der Weinstraße folgte. Wie besessen übte Scherbaum, entwickelte eine neuartige druckschwache Anblasetechnik speziell für das Spielen der hohen Lagen und legte damit den Grundstein für seine kommende Karriere. 1952 wurde Scherbaum Solotrompeter beim Hamburger Rundfunkorchester. Dort begann die Phase seiner Karriere, die ihn einzigartig werden ließ. Seine scheinbar grenzenlose Kraft und Höhe beim Spiel machte Furore. Scherbaum erhielt den Beinamen "Scherstrong". Ein Hamburger Trompetenbauer hatte eine Neukonstruktion, die erste Hoch-B-Trompete, entwickelt und sie Scherbaum zur Beurteilung gebracht. Mit seiner neuen Blastechnik und diesem Instrument gelang es Scherbaum, jene barocke Trompetenvirtuosität wieder zu gewinnen: Jahrelang war Adolf Scherbaum der einzige Trompeter der Welt, der das 2. Brandenburgische Konzert zu spielen vermochte. Scherbaum setzte Meilensteine in der Musikgeschichte.

1961 gründete Adolf Scherbaum sein Barockensemble, mit dem er in allen Erdteilen außer Australien Erfolge feierte. 1964 berief ihn die Staatliche Musik-Hochschule in Saarbrücken zum Professor. Es folgten Auszeichnungen und Ehrungen. Seinen Schülern war er ein Vorbild an Disziplin, Geradlinigkeit, Stärke und Menschlichkeit. Für viele ist er der bedeutendste Trompeter aller Zeiten. Maurice André sagte einmal: "Nach mir kommen viele, vor mir gab es nur einen - Adolf Scherbaum!"

Weitere Informationen im Internet:
www.josef-bayer.de/scherb