Die letzten Abenteuer
Warum laufen immer mehr Menschen?
(Auszug aus der Baumann Kolumne in Runner's World 11/97, S. 8)

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Wieder waren beim Berlin-Marathon fast 20000 Läuferinnen und Läufer unterwegs. In Köln wurden bei der Premiere rund 14000 Meldungen registriert, und in Frankfurt sind es wie jedes Jahr um die 8000, die den Marathon in Angriff nehmen. Auch die kleinen Cityläufe erfreuen sich seit Jahren großer Beliebtheit. Ganz Deutschland scheint auf den Beinen zu sein.

Warum, liebe Leser, tun sich so viele das zweifelhafte Vergnügen an, einen Marathon zu laufen? Sicherlich ist es auf der einen Seite die Herausforderung, eines der letzten Abenteuer, das uns blieb, in einer Welt, in der alles schon einmal erlebt, erforscht, entdeckt wurde. Diese (Selbst-)Erfahrung kann uns kein Hochglanzmagazin, keine Talkshow, kein Live-TV bieten. Kein Reise-Dia-Abend, kein Theaterabend oder Konzert kann uns die Art von Kultur vermitteln wie die klassische Distanz von 42,195 Kilometern. Für die meisten steht nicht das Rennen an sich im Vordergrund, es bildet nur den Höhepunkt einer langen Vorbereitung. Der Marathon als Motivation, Zielsetzung, vielleicht auch als konsequenter Schlußpunkt nach vielen Läufen zu Hause mit Freunden oder allein. Marathon auch als Gruppenerlebnis, als Happening, eine Art ,,Loveparade für Läufer".

Da ist es nicht verwunderlich, daß wir bei einer solchen Massenveranstaltung Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft antreffen. Beim Marathon sind alle gleich, haben die gleiche Zielsetzung: die lange Distanz mal etwas schneller oder langsamer zu bewältigen, Körper und Geist auf den Prüfstand stellen. Nicht alle sind gleich gut auf dieses Abenteuer vorbereitet. Meine nicht repräsentative Umfrage auf der Marathonmesse bot ein Spektrum von 120 Kilometern Laufumfang in der gesamten Vorbereitungszeit (ein aktiver Eishockeyspieler) bis zu 120 Kilometern in der Woche. Einer wollte sich Berlin anschauen und nutzte den Marathon zu einer Stadtbesichtigung. Er hatte erst vier Wochen vor dem Laufspektakel mit seiner Vorbereitung begonnen. Wie mag es ihm ergangen sein? Ein anderer war schon zum fünften Mal in Berlin und hatte sein Training über die Jahre immer weiter gesteigert bzw. verfeinert uhd hoffte auf eine neue Bestzeit. Wer zum ersten Mal Marathon läuft, hofft nur darauf, anzukommen, zu groß scheint der Respekt vor der Strecke. Einmal vom Marathon-Virus erfaßt, orientieren sich die meisten am Wunsch nach persönlichen Rekorden. Offensichtlich ist dieses Streben ein ganz natürliches, menschliches, vielleicht auch verbindendes Wesensmerkmal der Läufer.

Grundsätzlich laufen aber alle aus Freude, weil ,,es eben Spaß macht", und alle würden auch dann täglich laufen, wenn man ihnen den Marathon als Rennerlebnis nehmen würde. (...)

Übrigens: Runner's World und Spiridon sind sehr empfehlenswerte Laufzeitschriften!!!

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Last Updated: 08-03-11