Prof. Dr. Jakob Hommes (1898 - 1966)

Prof. Jakob Hommes   

Am Abend des 10. Juli 1966 ist in einem Münchner Krankenhaus Professor Jakob Hommes nach schwerer und schmerzvoller Krankheit im Alter von nicht ganz 68 Jahren in die ewige Heimat abberufen worden. Mit ihm verliert die Phil.-Theol. Hochschule, deren Professorenkollegium er seit dem 1. 11. 54 angehörte und der er durch drei Amtsperioden von 1959-1965 als Rektor vorstand, einen ihrer hervorragendsten Lehrer, die Stadt Regensburg einen ihrer bedeutendsten Bürger, die Kirche einen ihrer treuesten Söhne, der als vorbildlicher Vater einer zahlreichen Familie seinen christlichen Brüdern und Schwestern ein unübersehbares Beispiel gegeben hat.

Worum es dem gründlichen Kenner der einflussreichsten philosophischen Strömungen der Zeit, des Existenzialismus und dialektischen Materialismus, in seiner wissenschaftlichen Forschung, in seinen Vorlesungen an der Hochschule, in seiner regen Vortragstätigkeit vor allem ging, wird schon aus den Titeln und Untertiteln seiner wichtigsten Veröffentlichungen: "Zwiespältiges Dasein - Die existenziale Ontologie von Hegel bis Heidegger" (1958), "Der technische Eros - Das Wesen des dialektischen Materislismus" (1955) und "Krise der Freiheit - Hegel, Marx, Heidegger" (1958) erkennbar: es war die Rettung der menschlichen Person in ihrem je einmaligen Wert, in ihrer unverlierbaren herrscherlichen Würde als Gottesebenbild, in den unantastbaren Rechten ihrer naturgegebenen Gemeinschaften, vor allem deren Urform: der Familie, von der drohenden Unterdrückung und Vergewaltigung durch die Herrschaft der technischen Kultur und ihrer Auswirkungen auf die menschliche Gesellschaft.

In diesem Sinn pflanzte er den jungen Theologen den Geist der Ehrfurcht und der Verantwortung gegenüber dem anderen Menschen und seinem unverlierbaren Eigenwert ein und suchte sie hellhörig zu machen gegenüber gefährlichen Ansätzen, die sich in den modernen geistigen Strömungen außerhalb und innerhalb der Kirche verbergen.

Und aus eben dieser Qrundhaltung heraus war er seinen Schülern, die ihm im Hörsaal zu Füßen saßen oder sich in den immer stark besuchten Seminarübungen um ihn scharten, nicht nur ein Leh rer, der Wissen vermittelte, sondern, weil in ihm Theorie und Leben eine einzigartige Einheit bildeten, ein lebendiges und überzeugendes Vorbild und zugleich ein väterlicher Freund, der für alle ihre berechtigten Anliegen stets ein offenes Herz hatte.

So kam es, dass er in einer Wei se, wie es wohl selten einem akademischen Lehrer zuteil wird, von seinen Studenten geschätzt und verehrt, ja geliebt wurde, wie es in der schlichten Feier, die sie ihm zu seinem Abschied vom Rektorat im vergangenen Tahr bereiteten, bewegend zum Ausdruck kam. Professor Hommes stand der studierenden Tugend nahe und hatte für sie Verständnis, weil er selbst Vater einer großen Familie war und von daher auch die Probleme der studierenden Jugend und ihrer Führung aus allernächster Nähe kannte.

Er hat einmal dem Schreiber dieser Zeilen, als von den Kollegen die Rede war, die sich eigene Häuser gebaut hatten, gesagt: "Mein Haus sind meine Kinder", seine acht Kinder, denen er im Verein mit seiner treu sorgenden und nimmermüden Gattin eine hervorragende Erziehung und Ausbildung zuteil werden ließ und die heute in den verschiedensten akademischen Berufen Hervorragendes leisten.

Das ist jedoch nur die eine Seite seines Wirkens. Bleibende Verdienste hat sich Professor Hommes darüber hinaus als langjähriger Rektor erworben durch seine erfolgreichen Bemühungen um die bauliche und organisatorische Entwicklung der Phil.-Theol. Hochschule und nicht zuletzt auch um die neu erstehende Universität Regensburg, seit er im August 1962 als Mitglied in den Organisationsausschuss und im Jahr darauf in das Kuratorium für die Universität Regensburg berufen wurde, Körperschaften, die mit der Aufgabe betraut waren bzw. sind, die Organisation und die geistige Gestalt der neuen Universität zu entwerfen und vorzuplanen.

In beiden Gremien hat er tatkräftig an dieser bedeutsamen Aufgabe mitgewirkt, so dass er geradezu zu den Pionieren der entstehenden Alme Mater gezählt werden darf. Vor allem lag ihm daran, in ihrem Raum dem theologischen Studium die gebührende Stelle zu sichern, dann aber auch den Söhnen und Töchtern dieser Stadt und des ostbayerischen Raumes, denen der geborene Saarländer mit seinem ganzen Wohlwollen zugetan war, die bestmögliche geistige Ausbildungsstätte zu bereiten.

So konnte Jakob Hommes, der sich in all seinen wissenschaftlichen und organisatorischen Leistungen und Erfolgen ein tieffrommes und gläubiges Herz bewahrt hat, am Ende seines Lebens eine reiche Ernte einbringen, die als Aussaat in Kirche und Welt mit dem Segen Gottes weiterwirken und Frucht bringen wird. Wir aber, die ihm nahe gestanden sind, dürfen hoffen, dass der Herr der Ernte seinen guten und getreuen Knecht, seinen unermüdlichen Wahrheitssucher und Weisheitsfreund aus dem Land der Rätsel, der Dunkelheiten und Schatten hineingeführt hat in sein ewiges Licht und seine ewige Klarheit.

Prof. Dr. Josef Schmucker
(in: Regensburger Bistumsblatt 1966)

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Letzte Änderung: 24.07.00