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Der neue Tag 08.06.2004

Empörung und Buhrufe vor Regensburger Bischofssitz
Kohlberger demonstrierten gestern abend vor dem Dom
Regionaldekane sollten Schlagenhaufer und Trimpl in letzter Minute umstimmen

Regensburg/Kohlberg. "Wir sind Kirche, wir sind Kirche", so der Ruf von rund 250 Demonstranten gestern abend vor dem Bischöflichen Ordinariat in Regensburg.     

Empört über das Vorgehen von Bischof Gerhard Müller gegen die Pfarrer Andreas Schlagenhaufer und Hans Trimpl forderten sie die sofortige Rücknahme der angedrohten Strafmaßnahmen.

Dann überreichten sie Generalvikar Dr. Wilhelm Gegenfurtner und Personalreferent Dr. Franz Frühmorgen eine entsprechende Resolution. Als Gegenfurtner das Papier mit den Worten entgegennahm "Ich hoffe, dass die beiden Priester einlenken", wurde er ausgebuht. "Frechheit, Unverschämtheit", tönte es aus den Reihen der Demonstranten. Mehrere Stimmen riefen nach dem Bischof. "Der soll rauskommen, der Feigling!" Dann stimmte das rebellische Gottesvolk ein Kirchenlied an: "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen...." Vorher hatten die Demonstranten, von denen etwa 200 mit vier Bussen aus Kohlberg angereist waren, sich vor dem Dom mit Transparenten aufgestellt. Nach Sepp Stahl vom Aktionskreis Regensburg und Pfarrgemeinderatsvorsitzendem Oliver Heumann meldete sich auch Pfarrer Andreas Schlagenhaufer zu Wort und warf der bischöflichen Pressestelle Falschdarstellungen und Verschweigen von Fakten vor.

Der Grund für die Demo, bei der Töne angeschlagen wurden, wie sie das Ordinariat bisher wohl noch nicht auf offener Straße zu hören bekommen hat: Des Bischofs Ultimatum war abgelaufen. Die Pfarrer Schlagenhaufer und Trimpl hatten sich nicht vom "Aktionskreis Regensburg" (AKR) distanziert, wie ihr Oberhirte verlangt hatte. Gestern Nachmittag forderte Gerhard Ludwig Müller die beiden Regionaldekanen Gerhard Pausch (Weiden) und Jakob Hofmann (Straubing) sowie dem Weihejahrgang der beiden Priester auf: Sie sollen die Mitbrüder zum Einlenken bewegen. "Bis zum 7. Juni 2004 mittags war von den beiden Pfarrern keine Austrittserklärung aus dem Aktionskreis Regensburg und keine Entschuldigung für ihr kirchenschädigendes Verhalten im Ordinariat eingegangen", teilte die bischöfliche Pressestelle gestern kurz nach 16 Uhr mit. "Da ein Verstreichenlassen dieser Chance durch die beiden Mitbrüder eine klare Gehorsamsverweigerung darstellt, die zu Konsequenzen zwingt, bitte ich Sie, heute Nachmittag bei dem zu Ihrer Region gehörigen Mitbruder vorstellig zu werden und im persönlichen Gespräch noch einmal eindringlich zu versuchen, ihn zum noch möglichen Einlenken zu bewegen", schrieb Bischof Gerhard Ludwig an die beiden Regionaldekane. In einem weiteren Fax an den Weihejahrgang 1969 bat der Bischof auch die Studienkollegen der beiden Priester, "das Ihnen Mögliche zu tun". Gerhard Pausch hatte denn auch in seiner Weidener Pfarrei Herz Jesu ein etwa halbstündiges Gespräch mit Andreas Schlagenhaufer an. Ergebnis: unbekannt. Mehrere Mitbrüder aus Schlagenhaufers Weihejahrgang 1969 stärkten dem "Rebellen" angeblich den Rücken. Aus dem AKR will Schlagenhaufer nicht austreten: "Da sehe ich keinen Weg. Ich müsste die letzten 30 Jahre streichen - der Kreis hat uns sehr viel bedeutet." Im Übrigen nähmen sowohl er als auch Pfarrer Trimpl jedes Gesprächsangebot wahr. Es tue ihm leid, wenn der Bischof sich beleidigt fühle. Heute entscheidet eine Ordinariatskonferenz über die nächsten Schritte.


Straubinger Tagblatt 08. Juni 2004

Regensburg. (dpa) Wegen des Streits mit zwei kirchenkritischen Priestern haben am Montagabend rund 250 Gläubige vor dem Regensburger Dom gegen die Linie von Bischof Gerhard Ludwig Müller demonstriert. Der Oberhirte hatte den Pfarrer Andreas Schlagenhaufer aus dem oberpfälzischen Kohlberg sowie Hans Trimpl aus dem niederbayerischen Bogen-Oberalteich bis Montag ein Ultimatum gesetzt, um aus dem reformorientierten katholischen "Aktionskreis Regensburg" (AKR) auszutreten. Die Geistlichen lehnen dies ab.

Auf Transparenten warfen die Demonstranten Müller einen "Rückfall ins Mittelalter" und "amtlichen Machtmissbrauch" vor. Protestanten aus Kohlberg und Oberalteich betonten bei der Kundgebung lautstark, dass sie hinter ihren Priestern stehen. Den Pfarrern droht in dem Konflikt die Amtsenthebung oder Zwangspensionierung. Die Leitung der Diözese Regensburg will an diesem Dienstag über das weitere Vorgehen beraten.


Mittelbayerische Zeitung 8.6.04

Demo vor Dom für aufmüpfige Pfarrer
Solidaritätsakt: Kohlberger reisen mit vier Bussen an / Priesterrat stellt sich hinter Bischof

Von Christine Schröpf, MZ

REGENSBURG. Protest der Gläubigen: Rund 250 Katholiken aus dem Bistum Regensburg demonstrierten gestern Abend mit einem Marsch vom Regensburger Dom zum Bischöflichen Ordinariat für die kirchenkritischen Pfarrer Andreas Schlagenhaufer aus Kohlberg (Lkr. Neustadt/WN) und Hans Trimpl aus
Oberalteich (Lkr. Straubing-Bogen). Den beiden droht die Zwangspensionierung durch den Bischof. Der Priesterrat stellte sich unterdessen hinter den Regensburger Oberhirten.

Zur Demo vor dem Dom waren allein aus der 1250-Einwohner-Gemeinde Kohlberg rund 200 Menschen in vier Bussen angereist unter ihnen Bürgermeister Karl Prösl. Als Privatmann, wie er betonte. Ihm sei am Nachmittag vom Landratsamt Neustadt/WN mitgeteilt worden, dass das Ordinariat Dienstaufsichtsbeschwerde angekündigt habe, falls er seine Neutralitätspflicht verletzte. Das finde ich geradean einen Witz. Hier wird mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Dafür bezog seine Ehefrau Ursula Partei: Ich will, dass Pfarrer Schlagenhaufer bleibt. Auch die 74-jährige Rosa Österer aus Kohlberg, zum ersten Mal in ihrem Leben auf einer Demo, pflichtet bei: Herr Schlagenhaufer ist ein guter Pfarrer. Wir wollen keinen anderen.

Der Kohlberger Pfarrer war gestern selbst bei der Demo dabei. Hans Trimpl fehlte wegen Krankheit. Die Menge wurde vor dem Ordinariat von Generalvikar Dr. Wilhelm Gegenfurtner empfangen. Alfred Heuberger vom Aktionskreis Regensburg übergab unter Bravo-Rufen eine Resolution: Die Pfarrer Schlagenhaufer und Trimpl dürften nicht bestraft werden, das Bistum solle falsche Beschuldigungen zurücknehmen. Gegenfurtners Antwort: Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich wünsche und hoffe, dass die Priester einlenken. Das wurde mit Buhrufen und Pfiffen quittiert.

Wie schlechte Schülerzeitung

Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller hatte den zwei Pfarrern am Pfingstmontag ein Ultimatum gestellt, das gestern Nacht endete. Für heute wird eine Entscheidung erwartet. Schlagenhaufer und Trimpl sollen sich vom Aktionskreis Regensburg (AKR) distanzieren und für die jüngste Ausgabe der AKR-Zeitschrift Pipeline entschuldigen, auf deren Titelblatt der Bischof vor einer Guillotine zu sehen ist. Die Querelen um den AKR waren bereits im März Thema im Priesterrat, bestätigte gestern der Sekretär des Gremiums, der Regensburger Pfarrer Alois Möstl. Wir stehen einhellig hinter dem Bischof, sagt er. Die Karikaturen in der Pipeline wertete er als Gags wie in schlechten Schülerzeitungen. Die Geistlichen verunsicherten durch ständige Kritik an der Kirche die Gläubigen. Der Priesterrat hat 69 Mitglieder und vertritt die 1100 Priester in der Diözese. Ihm gehören Geistliche aus allen Dekanaten an, außerdem Vertreter des Domkapitels an der Spitze der Bischof.

763 Protest-Unterschriften

Kurz vor Ablauf des Ultimatums hatte Bischof Müller gestern Nachmittag per Pressemitteilung darüber informiert, dass er die zuständigen Regionaldekane beauftragt habe, die aufmüpfigen Priester eindringlich ins Gebet zu nehmen.
Per Fax wurden zudem Priester aus dem Weihejahrgang 1969 kontaktiert. Der Bischof bittet sie, die früheren Studienkollegen Schlagenhaufer und Trimpl zum Einlenken zu bewegen.

Schlagenhaufer reagierte bei der Kundgebung empört: Nur damit der Bischof sagen kann, er hat alles versucht. Tatsächlich sei ein eigenes Gesprächsangebot ausgeschlagen worden. Verschwiegen werde zudem ein Brief der früheren Priesteramtskollegen an den Bischof. Sie haben sich eindeutig für uns ausgesprochen. Schlagenhaufer und Trimpl hatten bereits vergangene Woche erklärt, dass sie sich nicht vom AKR distanzieren werden, dem sie seit über 30 Jahren angehören. Der Kohlberger Pfarrer bekräftigte dies gestern. Distanzieren geht unmöglich. Da müsste ich ja meinen ganzen Lebensweg umschreiben. Er bedauere, dass sich der Bischof beleidigt fühle.

Eine Delegation aus Kohlberg hatte gestern bereits am Vormittag in einer zweiten strittigen Angelegenheit im Ordinariat eine Liste mit 763 Unterschriften übergeben rund 70 Prozent der Bürger Kohlbergs über 14 Jahren haben unterzeichnet. Es geht um den heuer vom Bistum untersagten ökumenischen Gottesdienst beim Bürgerfest in Kohlberg am 25.Juli. Die Feier von katholischen und evangelischen Christen hat seit zehn Jahren Tradition.

 

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